Die Auswanderer aus Småland

Heute ist Småland ein beliebtes Reiseziel. Rote Ferienhäuser, endlose Wälder und Astrid Lindgrens Geschichten locken Besucher aus aller Welt. Doch vor 150 Jahren verließen Zehntausende Småländer ihre Heimat für immer in Richtung Amerika.

Nachfahren auf Spurensuche

Jedes Jahr kommen tausende Amerikaner nach Småland, um die Heimat ihrer Vorfahren zu besuchen. Im Emigrantenmuseum in Växjö durchsuchen sie die Datenbank mit über 1,3 Millionen Namen von Auswanderern. Viele finden hier ihre Ur-Ur-Großeltern und besuchen anschließend die alten Höfe und Friedhöfe. Was ihre Vorfahren einst verließen, ist heute Ziel ihrer Sehnsucht.

Die große Auswanderungswelle

Zwischen 1850 und 1930 wanderten rund 1,5 Millionen Schweden nach Amerika aus. Aus Småland verließ fast jeder vierte Einwohner die Heimat. Die Gründe waren vielfältig: Missernten in den 1860er Jahren führten zu Hungersnöten. Die steinigen Böden Smålands ernährten kaum eine Familie. Dazu kam das schwedische Erbrecht, bei dem nur der älteste Sohn den Hof erbte. Wer kein Land besaß, hatte kaum Zukunftschancen.

In Amerika versprach der „Homestead Act“ von 1862 jedem Siedler 160 Acres Land kostenlos. Das waren etwa 65 Hektar, mehr als die meisten småländischen Bauern jemals besitzen würden. Briefe von bereits Ausgewanderten machten Hoffnung auf ein besseres Leben. Die Überfahrt war teuer, dauerte Wochen und war gefährlich. Viele sahen ihre Heimat nie wieder.

Vilhelm Moberg und „Die Auswanderer“

Der småländische Schriftsteller Vilhelm Moberg (1898-1973) setzte dieser Epoche mit seiner Romanreihe „Die Auswanderer“ (Utvandrarna) ein literarisches Denkmal. Die Geschichte von Karl-Oskar und Kristina aus Ljuder bei Emmaboda, die 1850 nach Minnesota auswandern, wurde weltberühmt. Die Verfilmungen mit Max von Sydow und Liv Ullmann aus den 1970er Jahren gelten als Klassiker. Die Drehorte bei Emmaboda können heute besichtigt werden.

Vom Armenhaus zum Wohlstand

Der Wandel kam mit der Industrialisierung. Die Glasmanufakturen im Glasreich boten Arbeit, die Möbelindustrie wuchs. 1943 gründete Ingvar Kamprad in Älmhult IKEA. Auch Astrid Lindgren (1907-2002), Tochter eines kleinen Pfarrhofpächters, erlebte diesen Aufschwung. Ihre Geschichten vom einfachen Leben in Småland sind heute weltbekannt.

Das Emigrantenmuseum in Växjö

Im „Utvandrarnas Hus“ (Haus der Auswanderer) in Växjö wird die Geschichte der Auswanderung lebendig. Das Museum zeigt Originaldokumente, Briefe und persönliche Gegenstände. Die Datenbank mit über 1,3 Millionen Namen hilft bei der Ahnenforschung. Das Museum bietet auch professionelle Recherche-Services an.

Tipps für Besucher

  • Utvandrarnas Hus, Växjö: Museum mit Ausstellung und Ahnenforschungs-Service
  • Moberg-Ausstellung, Algutsboda: Hembygdspark mit Mobergstuga und Schulmuseum
  • Drehort-Tour bei Emmaboda: Schauplätze der „Auswanderer“-Filme (Klasatorpet/Korpamoen)
  • Kirchenarchive: Viele småländische Kirchen bewahren historische Dokumente

Smålands Auswanderungsgeschichte zeigt den Wandel von bitterer Armut zu heutigem Wohlstand. Was einst Fluchtgrund war, ist heute Touristenattraktion. Die Nachfahren der Auswanderer kehren zurück, um ihre Wurzeln zu entdecken.

Torge Jörrens

Wer steckt hinter Smålandliebe?

Torge lebt in Fridafors in Småland und teilt hier seine Erfahrungen aus dem Alltag in Südschweden. Von Ausflügen über Kultur bis zu den besten Badestellen, alles basiert auf eigenen Erlebnissen. Wenn du eine Frage hast, melde dich gerne!

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