Eines der faszinierendsten Gesetzestexte in Schweden ist das Jedermannsrecht. Es besagt, dass jeder sich in der Natur frei bewegen kann, selbst auf privaten Grundstücken und Wegen. Aber ist wirklich alles erlaubt? Nein! Respekt, Rücksichtnahme und die Privatsphäre der Menschen sind für die Umsetzung besonders wichtig. Wir zeigen dir anhand von relevanten Beispielen, wo das Gesetz problemlos umgesetzt werden kann.
Jedermannsrecht beim Camping: Oftmals falsch interpretiert

Beim Camping ist das Jedermannsrecht eines der populärsten Irrtümer. Viele Camper gehen davon aus, dass sich das Übernachten auch auf motorisierte Fahrzeuge anwenden lässt. Dies ist aber grundlegend falsch, denn Vans, Wohnmobile und auch Autos sind davon ausgeschlossen. Sie müssen auf klassische Camping- und Stellplätze ausweichen.
Die Nähe zur Natur ist bezogen auf das Zelten. Im Prinzip ist es dir vielerorts erlaubt, dein Zelt im Wald, am See oder auf privaten Grundstücken aufzustellen. Wichtig ist dabei nur, dass ein Abstand zu Gärten und Häusern eingehalten wird, der Müll und andere Rückstände am Morgen mitgenommen werden und auf die Regeln geachtet wird. Bei Waldbrandgefahr oder beispielsweise der Jagd wird explizit darauf hingewiesen, dass Zelten oder Feuer eben nicht erlaubt sind.
Beeren und Pilze aus dem Wald
Das richtige Maß ist beim Jedermannsrecht entscheidend. Es ist dir erlaubt, dass Du für deinen eigenen Bedarf die Erzeugnisse der Natur sammelst. Beeren und Pilze erfreuen sich in Schweden großer Beliebtheit, schließlich sind sie eine Bereicherung für jeden Kuchen oder auch für köstliche Gerichte.
Verboten ist allerdings, dass Du mehr als deinen Bedarf aus der Natur entnimmst. Wenn Du eimerweise Beeren oder Pilze sammelst, diese mit aus dem Urlaub nach Hause nimmst oder gar zum Verkauf anbietest, überschreitest Du die Grenze des Erlaubten.
Strenge Leinenpflicht zum Schutz der Tiere
Das Jedermannsrecht (allemansrätten) erlaubt natürlich auch die Mitnahme von Hunden in die schwedische Natur. Allerdings gibt es dahingehend doch eine Einschränkung, denn vom 1. März bis 20. August gilt eine strenge Leinenpflicht, um Wildtiere zu schützen. Außerhalb dieser Zeit musst Du deinen Hund im Auge behalten können, so dass Tiere nicht gestört werden. Zudem ist es wichtig, dass der Kot der Hunde jederzeit entfernt werden muss.
Schwimmen, Angeln und Boot fahren im Jedermannsrecht
Laut dem Gesetz kannst Du in allen Seen, Flüssen und im Meer baden und schwimmen. Aber auch hier ist Rücksichtnahme gefragt, denn es ist verboten, Badestellen zu nutzen, die direkt zu einem Wohnhaus gehören oder dessen Privatsphäre stören. Zudem gilt es die Badeverbote in Nationalparks zu berücksichtigen, die aber immer explizit ausgeschrieben werden.
Was für das Baden gilt, gilt auch für die Boote. Grundsätzlich kannst Du alle Gewässer in Schweden befahren, aber der Steg oder die Badestelle von Privatgrundstücken sind zu meiden.
Angeln ist nicht Bestandteil des Jedermannsrechtes. Hier gibt es individuelle Bestimmungen und Regeln.
Feuer machen: Ja oder Nein?
Selbstverständlich ist es erlaubt, dass Du ein kleines Feuer entzünden darfst, um dich zu wärmen oder Essen zuzubereiten. Du kannst dafür loses Holz aus der Umgebung nutzen. Mittlerweile ist es in Schweden oftmals so, dass spezielle Feuerstellen an Seen oder an Rastplätzen im Wald angelegt wurden, die für Sicherheit sorgen.
Bei Waldbrandgefahr in den trockenen Sommern musst Du leider auf das Feuer verzichten, ebenso wie teilweise auf das Grillen. Zudem ist Feuer auf Felsen oder Klippen grundsätzlich verboten, weil dies zu einer Spaltung des Steines führen könnte. Dies wäre ein Eingriff in die Natur und gefährlich.
Wie Du siehst, ermöglicht das Jedermannsrecht in Schweden zahlreiche Freiheiten, aber diese sollten nicht zu Lasten der Natur oder anderen Menschen gehen. Wenn Du die Tipps berücksichtigst, kannst Du alles in vollen Zügen genießen.
